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Die
Gartenausstattung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts
Der etwa 1.000 m2 große Hausgarten mit seiner leicht
trapezförmigen Grundfläche wurde an drei Seiten von Mauerwerk
(inklusive der Mauern von Scheune und Hofgebäude) eingefriedet.
Lage und Größe haben sich im Verlauf der Zeit nicht verändert.
Über die innere Ausstattung lassen sich erst für die Zeit
nach 1900 Aussagen treffen, da interpretierfähige Fotos aus
den Familienalben ab 1930 erhalten sind, auf denen Gartenszenen
abgelichtet wurden. Ein Plattenweg führte vom Haus über den Hof
zum Gartentor neben dem Wirtschaftsgebäude.
Das Tor ist bis heute erhalten und besteht aus zwei schmiedeeisernen
Flügelgitter und zwei Pfosten aus Sandstein. Die Pfosten sind
in barocken Formen verziert. Sie besitzen einen Schmuckaufsatz.
Vier Akanthusblätter bilden jeweils die Fassung für einen
Pinienapfel.Im Garten ist ein Rosenbogen zu erkennen. Des weiteren
fallen zwei ausgewachsene Nadelbäume an der Westgrenze ins
Auge - eine Lärche und eine Tanne oder Fichte. Beide Bäume
sind heute nicht mehr vorhanden.
Der Garten der Brockmanns war für Familienfeste und den
Besuch von Gästen für den Aufenthalt im freien mit
vielen Sitzgelegenheiten ausgestattet. Diese lagen besonders
in den Eckbereichen des Gartengrundstücks, so dass für
jede Jahreszeit und jede Tagesstunde ein angenehmes Plätzchen
im Garten bereitstand. So befand sich diagonal gegenüber
des Garteneingangs in der Nordecke der Einfriedungsmauer ein
Steintisch mit einer Gartenbank inmitten
einer Weinlaube. Hier traf sich die Familie zum Sonntagskaffee .
Die einfache Konstruktion der Weinlaube,
bestehend aus Holzpfosten mit Drahtverspannung, existiert
heute nicht mehr, jedoch der Steintisch verweist noch auf
diesen Sitzplatz.
Entlang der Mauer an der Straße "Hinter
dem Graben"wurde das Weinspalier mit Hilfe aufgestellter
Holzstangen, an denen mehrfach übereinander längstverlaufende
Drähte gespannt waren, fortgesetzt. Gartenseitig vor dieser Mauer wuchs eine vollsonnige,
prächtige Staudenrabatte, bestehend u.a. aus einer niedrigen
Polsterpflanze (vermutlich Hornkraut Cerastium tomentosum)
als Randeinfassung zum Weg und dahinter hochwüchsigen
Schwertlilien (Iris spuria oder iris barbata). Das Weinspalier
hat sich nicht erhalten, aber einzelne Horste der langlebigen
Schwertlilien existieren noch in der stark vergrasten Rabatte.
In der Westecke direkt neben dem Ausgang
zur Straße "Hinter dem Graben" befand sich
die große Gartenlaube, in der die ganze Familie an heißen
Tagen Schatten suchen oder bei Regen im Trockenen sitzen konnte.
Gegenüber des Eingangs war
eine Fensteröffnung im Holzwerk der Laube und gab den Blick
nach Westen auf die weite Landschaft in Schaumburg-Lippe frei.
Die Laube hat sich in einem recht guten Zustand bis heute
erhalten, jedoch haben sich bauliche. Details verändert
,z.B. wurde die Fensteröffnung mitHolzwerk
ausgefacht, so dass ein Ausblick nicht mehr möglich ist.
Eine dichte Strauchpflanzung
am Weg zur Laube schirmte den Bereich zum südlichen Nachbargrundstück
ab. Wegbegleitend war zur Abgrenzung vermutlich eine niedrige
Buchshecke gepflanzt. Auf der anderen Seite dehnte sich der
Rasen unter der Magnolie, die heute eine stattliche Größe
erreicht hat, aus. Die Rasenfläche hatte keine sichtbare
Abgrenzung zum Weg. Als Material für die Wegbefestigung
ist eine schwarze Industrieschlacke verwendet worden.13
Akzente auf dem Rasen setzten sogenannte "Blumenkörbe". Hierfür
waren runde Beete ausgehoben, die von einem niedrigen Drahtgeflecht
eingefasst wurden. Darin konnten sich Rosen oder ein Arrangement
aus Sommerblumen befinden.
In der Ostecke befand sich die dritte Sitzgelegenheit - ein
achteckiger Gartenpavillon aus Holz.Er
ist im Grundriss kleiner als die Laube. An den gehobelten Latten der Holzkonstruktion
rankte ebenfalls Wein. Ein breiter Weg führte von der
Weinlaube geradlinig zum Holzpavillon, der zu dieser Seite
einen Durchlass und zwei Fensteröffnungen hatte. In der
Wegfläche stand eine Blutbuche vor dem Pavillon, die
ihre Krone auch über den Pavillon spannte. Da sich die
südexponierte Mauer (Abgrenzung zum nördlichen Gartennachbarn)
gut für dieKultur von Spalierobst eignete, waren Holzspaliere
an ihr befestigt und Obstgehölze an ihrem Fuß gepflanzt.
Diese Situation hat sich nachhaltig verändert. Zwar steht
der Pavillon noch, aber er ist in sehr schlechtem baulichen
Zustand. Durch Ausmauerung der Seiten und dem
Einbau von Glasfenstern ging seine ehemals filigrane
Wirkung verloren.
Das Spalierobst an der Mauer gibt es nicht
mehr. Die markante Blutbuche ist erst in jüngster Zeit
durch Windwurf verloren gegangen.
Neben den baulichen Elementen im Garten war das buchsgefasste
geometrische Gartenstück um den zentralen Springbrunnen
das eigentliche "Herzstück" des Gartens. Der
Springbrunnen setzte sich aus einem aufgemauerten Ring aus
Kalksteinen für ein Bassin und einer Steinsetzung für
die Plastik in der Mitte zusammen.
Die Plastik war in barocker Manier als
Putto mit Fisch gestaltet. Es soll sich hierbei um eine Metallfigur
gehandelt haben.14 Das Becken war umgeben von einer
schmalen Rabatte mit einer äußeren Buchsfassung.
Bepflanzt war sie des weiteren mit Schwertlilien und anderen,
auf den historischen Fotos nicht eindeutig identifizierbaren,
weiteren Stauden.
Um den kreisrunden Springbrunnen legte man ein aus Wegen,
Buchshecken, Blumen - und Zierstrauchrabatten bestehendes
Gartenornament an. Bei dem aus Winkeln und Halbkreisen zusammengesetzten
regelmäßigen Vielstrahl handelt es sich um eine
aus dem Vierpass entwickelte geometrische Figur, die in barocken
Gärten hauptsächlich zur Ausformung des steinernen
Beckenrandes eines Wasserbassins benutzt wurde. In der Rückbesinnung
regelmäßiger Strukturen für die Gartengestaltung
seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden neobarocke Bassinformen
auf den Stadtplätzen und in öffentlichen Schmuckanlagen
eingerichtet, wie beispielweise auch auf dem
Ernst.August-Platz in Hannover.
Im Garten Brockmann jedoch
wird die Formgebung hauptsächlich durch Buchshecken
ausgebildet.
Zur Hervorhebung der Gartenmitte benutzte
man hier ein regelmäßiges Gebilde, welches in seiner
Gesamtheit einem Parterremuster mit zentralem Springbrunnen
gleicht. Um die Jahrhundertwende sind aus den symmetrischen
Parterreanlagen sogenannte Florteppiche hervorgegangen, deren
Einzelbeete z.B. durch wassergebundene Zierwege getrennt wurden.15
Die Lage der Beete und einfassenden Rabatten ergaben insgesamt
das wohlgeordnete, aber farbenfrohe Muster eines Teppichs.
Im Florenteppich des Garten Brockmann können drei konzentrische
Pflanzbereiche unterschieden werden, die durch Wegflächen
voneinander getrennt sind und doch einer größeren
Einheit angehören. Die Rabatte um das Springbrunnenbecken
ist der erst Bereich und besteht aus einem einseitig von Buchs
gefassten, einfach kreisrund verlaufenden Band.Den zweiten
Bereich bildet eine Buchshecke, die die bereits beschriebene
Vierpassform nachzeichnet. Der niedrigen Hecke sind verschiedene
Ziersträucher, z.B. Rhododendron,
und Stauden beigefügt.
Den äußeren Pflanzbereich bildet eine doppelreihig in Vierpassform
verlaufende Buchshecke. Die Beetfläche, die sich zwischen
den Buchseinfassungen bildet, war hauptsächlich mit Rosen
bepflanzt.
Die Gartenmitte wurde an drei Seiten an den umlaufenden Hauptweg
angeschlossen. Hierzu führte jeweils ein schmaler Gartenweg
vom jeweiligen Scheitelpunkt der Halbkreise ab. Diese Zugänge
wurden deutlich mit je einem Doppelspalierbogen gekennzeichnet.
Dieses aufwendige repräsentative Gartenornament hat bis
heute stark an Substanz verloren. Nur noch eine von drei Buchsbaumeinfassungen,
die nur noch an derInnenseite des äußersten
Pflanzenringes besteht, ist lückenhaft erhalten.
Der Springbrunnen existiert
nur noch als Mauerrest im Boden. Figur und Figurensockel sind
abhanden gekommen. Die Spalierbögen an den Eingängen
fehlen. Ehemalige Wegflächen sind durch Rasenbewuchs
unkenntlich. Von der pflanzlichen Ausstattung haben sich nur
konkurrenzstarke Stauden wie Pfingsrosen und Schwertlilien
erhalten.
Die historischen Aufnahmen lassen erkennen, dass ferner zur
pflanzlichen Ausstattung auf den Rasenstücken in den
Randbereichen des Gartens eine Trauerform der Ulme, eine Lärche
und die heute noch existierende Schwarzkiefer gehörten.
Wegbegleitende Blumenrabatten auf den Rasenflächen, wie
sie sich heute abzeichnen, gab es um 1930 noch nicht. Sie
müssen in den 50er Jahren entstanden sein.
Da es keine Nachweise für die Tätigkeit eines Gartenkünstlers
gibt, kann diese durchaus auch auf eigene Ideen der Eigentümer
Brockmann zurückgehen. Die Ausführung der Gartenarbeiten,
wie Wegebau, Pflanzung, Bau des Springbrunnens, Aufbau der
Laube und des Pavillons, können in diesem Umfang jedoch
nicht durch Privatinitiative entstanden sein. Hierfür
ist sicher eine Gartenfachfirma beauftragt worden.
Die Bilder zeigen einen schon über einen längeren
Zeitraum bestehenden Garten. Die Gehölze sind ausgewachsen.
hervorzuheben ist der den Aufnahmen deutlich zu entnehmende
enge Bezug des privaten Familienlebens zum Hausgarten, welches
seine Gesamtgestalt letztendlich mit hervorgebracht haben
dürfte.
Die Gestalt des Buchsornaments mit dem Springbrunnen und seiner
neobarocken Plastik, die Bauart von Holzlaube und-Pavillon,
die Blumenkörbe im Rasen, die Verwendung besonderer Erscheinungsformen
der Gehölze - etwa die trauerform der Hängeulme
- entspricht der gartenkünstlerischen Auffassung des
ausgehenden 19.Jahrhunderts. Den Gestaltungsformen konnte
die Familie Brockmann in vielen Bereichen des öffentlichen
Lebens begegnen, z.B. auf Stadtplätzen, Kurparks oder
nahegelegenen Schlossgärten, wie dem zu Bückeburg.
Letzterer erhielt nach 1870 beispielweise mehrere Teppichbeetanlagen.16
Eine Übernahme gestalterischer Gartenelemente in den eigenen
bürgerlichen Garten war gängige Praxis und wurde
außerdem durch entsprechende Publikationen wie Zeitschriften
und Bücher zur Gartenkunst gefördert.
Neuere Zutaten könnten die langen Blumenrabatte mit dem
Weinspalier sein. Die Weinlaube, besonders aber das Weinspalier
scheinen noch relativ neu und sind teilweise noch unberankt.
13
Das ursprüngliche Wegebaumaterial wurde bei der Bestandsaufnahme
des freigelegten Teilstücks an der Westseite festgestellt.
Es besteht aus grobkörniger schwarzer Industrieschlacke.
Die Steineinfassungen der Rabatten dienen in Teilbereichen
auch zur Abgrenzung des umlaufenden Hauptweges.
14 Balg, Protokoll 2001
15 Vgl. Meyer/ries, 1904,S.258.
16 Vgl. Von Schweinitz, 1999,S. 70ff. |