Garten Brockmann Obernkirchen
1914
1930
1931
1931
1934
1931
1982
2003
Die Gartenausstattung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts



Der etwa 1.000 m2 große Hausgarten mit seiner leicht trapezförmigen Grundfläche wurde an drei Seiten von Mauerwerk (inklusive der Mauern von Scheune und Hofgebäude) eingefriedet. Lage und Größe haben sich im Verlauf der Zeit nicht verändert.
Über die innere Ausstattung lassen sich erst für die Zeit nach 1900 Aussagen treffen, da interpretierfähige Fotos aus den Familienalben ab 1930 erhalten sind, auf denen Gartenszenen abgelichtet wurden. Ein Plattenweg führte vom Haus über den Hof zum Gartentor neben dem Wirtschaftsgebäude.

Das Tor ist bis heute erhalten und besteht aus zwei schmiedeeisernen Flügelgitter und zwei Pfosten aus Sandstein. Die Pfosten sind in barocken Formen verziert.
Sie besitzen einen Schmuckaufsatz. Vier Akanthusblätter bilden jeweils die Fassung für einen Pinienapfel.Im Garten ist ein Rosenbogen zu erkennen. Des weiteren fallen zwei ausgewachsene Nadelbäume an der Westgrenze ins Auge - eine Lärche und eine Tanne oder Fichte. Beide Bäume sind heute nicht mehr vorhanden.

Der Garten der Brockmanns war für Familienfeste und den Besuch von Gästen für den Aufenthalt im freien mit vielen Sitzgelegenheiten ausgestattet.
Diese lagen besonders in den Eckbereichen des Gartengrundstücks, so dass für jede Jahreszeit und jede Tagesstunde ein angenehmes Plätzchen im Garten bereitstand. So befand sich diagonal gegenüber des Garteneingangs in der Nordecke der Einfriedungsmauer ein Steintisch mit einer Gartenbank inmitten einer Weinlaube. Hier traf sich die Familie zum Sonntagskaffee . Die einfache Konstruktion der Weinlaube, bestehend aus Holzpfosten mit Drahtverspannung, existiert heute nicht mehr, jedoch der Steintisch verweist noch auf diesen Sitzplatz.

Entlang der Mauer an der Straße "Hinter dem Graben"wurde das Weinspalier mit Hilfe aufgestellter Holzstangen, an denen mehrfach übereinander längstverlaufende Drähte gespannt waren, fortgesetzt.
Gartenseitig vor dieser Mauer wuchs eine vollsonnige, prächtige Staudenrabatte, bestehend u.a. aus einer niedrigen Polsterpflanze (vermutlich Hornkraut Cerastium tomentosum) als Randeinfassung zum Weg und dahinter hochwüchsigen Schwertlilien (Iris spuria oder iris barbata).
Das Weinspalier hat sich nicht erhalten, aber einzelne Horste der langlebigen Schwertlilien existieren noch in der stark vergrasten Rabatte.

In der Westecke direkt neben dem Ausgang zur Straße "Hinter dem Graben" befand sich die große Gartenlaube, in der die ganze Familie an heißen Tagen Schatten suchen oder bei Regen im Trockenen sitzen konnte. Gegenüber des Eingangs war eine Fensteröffnung im Holzwerk der Laube und gab den Blick nach Westen auf die weite Landschaft in Schaumburg-Lippe frei. Die Laube hat sich in einem recht guten Zustand bis heute erhalten, jedoch haben sich bauliche.
Details verändert ,z.B. wurde die Fensteröffnung mitHolzwerk ausgefacht, so dass ein Ausblick nicht mehr möglich ist.
Eine dichte Strauchpflanzung am Weg zur Laube schirmte den Bereich zum südlichen Nachbargrundstück ab. Wegbegleitend war zur Abgrenzung vermutlich eine niedrige Buchshecke gepflanzt.
Auf der anderen Seite dehnte sich der Rasen unter der Magnolie, die heute eine stattliche Größe erreicht hat, aus. Die Rasenfläche hatte keine sichtbare Abgrenzung zum Weg.
Als Material für die Wegbefestigung ist eine schwarze Industrieschlacke verwendet worden.13 Akzente auf dem Rasen setzten sogenannte "Blumenkörbe". Hierfür waren runde Beete ausgehoben, die von einem niedrigen Drahtgeflecht eingefasst wurden. Darin konnten sich Rosen oder ein Arrangement aus Sommerblumen befinden.

In der Ostecke befand sich die dritte Sitzgelegenheit - ein achteckiger Gartenpavillon aus Holz.Er ist im Grundriss kleiner als die Laube. An den gehobelten Latten der Holzkonstruktion rankte ebenfalls Wein.
Ein breiter Weg führte von der Weinlaube geradlinig zum Holzpavillon, der zu dieser Seite einen Durchlass und zwei Fensteröffnungen hatte. In der Wegfläche stand eine Blutbuche vor dem Pavillon, die ihre Krone auch über den Pavillon spannte.
Da sich die südexponierte Mauer (Abgrenzung zum nördlichen Gartennachbarn) gut für dieKultur von Spalierobst eignete, waren Holzspaliere an ihr befestigt und Obstgehölze an ihrem Fuß gepflanzt.

Diese Situation hat sich nachhaltig verändert. Zwar steht der Pavillon noch, aber er ist in sehr schlechtem baulichen Zustand. Durch Ausmauerung der Seiten und dem Einbau von Glasfenstern ging seine ehemals filigrane Wirkung verloren. Das Spalierobst an der Mauer gibt es nicht mehr. Die markante Blutbuche ist erst in jüngster Zeit durch Windwurf verloren gegangen.

Neben den baulichen Elementen im Garten war das buchsgefasste geometrische Gartenstück um den zentralen Springbrunnen das eigentliche "Herzstück" des Gartens.
Der Springbrunnen setzte sich aus einem aufgemauerten Ring aus Kalksteinen für ein Bassin und einer Steinsetzung für die Plastik in der Mitte zusammen. Die Plastik war in barocker Manier als Putto mit Fisch gestaltet. Es soll sich hierbei um eine Metallfigur gehandelt haben.14 Das Becken war umgeben von einer schmalen Rabatte mit einer äußeren Buchsfassung. Bepflanzt war sie des weiteren mit Schwertlilien und anderen, auf den historischen Fotos nicht eindeutig identifizierbaren, weiteren Stauden.

Um den kreisrunden Springbrunnen legte man ein aus Wegen, Buchshecken, Blumen - und Zierstrauchrabatten bestehendes Gartenornament an.
Bei dem aus Winkeln und Halbkreisen zusammengesetzten regelmäßigen Vielstrahl handelt es sich um eine aus dem Vierpass entwickelte geometrische Figur, die in barocken Gärten hauptsächlich zur Ausformung des steinernen Beckenrandes eines Wasserbassins benutzt wurde.
In der Rückbesinnung regelmäßiger Strukturen für die Gartengestaltung seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden neobarocke Bassinformen auf den Stadtplätzen und in öffentlichen Schmuckanlagen eingerichtet, wie beispielweise auch auf dem Ernst.August-Platz in Hannover. Im Garten Brockmann jedoch wird die Formgebung hauptsächlich durch Buchshecken ausgebildet. Zur Hervorhebung der Gartenmitte benutzte man hier ein regelmäßiges Gebilde, welches in seiner Gesamtheit einem Parterremuster mit zentralem Springbrunnen gleicht. Um die Jahrhundertwende sind aus den symmetrischen Parterreanlagen sogenannte Florteppiche hervorgegangen, deren Einzelbeete z.B. durch wassergebundene Zierwege getrennt wurden.15 Die Lage der Beete und einfassenden Rabatten ergaben insgesamt das wohlgeordnete, aber farbenfrohe Muster eines Teppichs.

Im Florenteppich des Garten Brockmann können drei konzentrische Pflanzbereiche unterschieden werden, die durch Wegflächen voneinander getrennt sind und doch einer größeren Einheit angehören.
Die Rabatte um das Springbrunnenbecken ist der erst Bereich und besteht aus einem einseitig von Buchs gefassten, einfach kreisrund verlaufenden Band.Den zweiten Bereich bildet eine Buchshecke, die die bereits beschriebene Vierpassform nachzeichnet. Der niedrigen Hecke sind verschiedene Ziersträucher, z.B. Rhododendron, und Stauden beigefügt.

Den äußeren Pflanzbereich bildet eine doppelreihig in Vierpassform verlaufende Buchshecke. Die Beetfläche, die sich zwischen den Buchseinfassungen bildet, war hauptsächlich mit Rosen bepflanzt.

Die Gartenmitte wurde an drei Seiten an den umlaufenden Hauptweg angeschlossen. Hierzu führte jeweils ein schmaler Gartenweg vom jeweiligen Scheitelpunkt der Halbkreise ab. Diese Zugänge wurden deutlich mit je einem Doppelspalierbogen gekennzeichnet.

Dieses aufwendige repräsentative Gartenornament hat bis heute stark an Substanz verloren. Nur noch eine von drei Buchsbaumeinfassungen, die nur noch an derInnenseite des äußersten Pflanzenringes besteht, ist lückenhaft erhalten. Der Springbrunnen existiert nur noch als Mauerrest im Boden. Figur und Figurensockel sind abhanden gekommen.
Die Spalierbögen an den Eingängen fehlen. Ehemalige Wegflächen sind durch Rasenbewuchs unkenntlich. Von der pflanzlichen Ausstattung haben sich nur konkurrenzstarke Stauden wie Pfingsrosen und Schwertlilien erhalten.

Die historischen Aufnahmen lassen erkennen, dass ferner zur pflanzlichen Ausstattung auf den Rasenstücken in den Randbereichen des Gartens eine Trauerform der Ulme, eine Lärche und die heute noch existierende Schwarzkiefer gehörten.

Wegbegleitende Blumenrabatten auf den Rasenflächen, wie sie sich heute abzeichnen, gab es um 1930 noch nicht. Sie müssen in den 50er Jahren entstanden sein.

Da es keine Nachweise für die Tätigkeit eines Gartenkünstlers gibt, kann diese durchaus auch auf eigene Ideen der Eigentümer Brockmann zurückgehen.
Die Ausführung der Gartenarbeiten, wie Wegebau, Pflanzung, Bau des Springbrunnens, Aufbau der Laube und des Pavillons, können in diesem Umfang jedoch nicht durch Privatinitiative entstanden sein. Hierfür ist sicher eine Gartenfachfirma beauftragt worden.

Die Bilder zeigen einen schon über einen längeren Zeitraum bestehenden Garten. Die Gehölze sind ausgewachsen. hervorzuheben ist der den Aufnahmen deutlich zu entnehmende enge Bezug des privaten Familienlebens zum Hausgarten, welches seine Gesamtgestalt letztendlich mit hervorgebracht haben dürfte.

Die Gestalt des Buchsornaments mit dem Springbrunnen und seiner neobarocken Plastik, die Bauart von Holzlaube und-Pavillon, die Blumenkörbe im Rasen, die Verwendung besonderer Erscheinungsformen der Gehölze - etwa die trauerform der Hängeulme - entspricht der gartenkünstlerischen Auffassung des ausgehenden 19.Jahrhunderts.
Den Gestaltungsformen konnte die Familie Brockmann in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens begegnen, z.B. auf Stadtplätzen, Kurparks oder nahegelegenen Schlossgärten, wie dem zu Bückeburg. Letzterer erhielt nach 1870 beispielweise mehrere Teppichbeetanlagen.16 Eine Übernahme gestalterischer Gartenelemente in den eigenen bürgerlichen Garten war gängige Praxis und wurde außerdem durch entsprechende Publikationen wie Zeitschriften und Bücher zur Gartenkunst gefördert.

Neuere Zutaten könnten die langen Blumenrabatte mit dem Weinspalier sein. Die Weinlaube, besonders aber das Weinspalier scheinen noch relativ neu und sind teilweise noch unberankt.


13 Das ursprüngliche Wegebaumaterial wurde bei der Bestandsaufnahme des freigelegten Teilstücks an der Westseite festgestellt. Es besteht aus grobkörniger schwarzer Industrieschlacke. Die Steineinfassungen der Rabatten dienen in Teilbereichen auch zur Abgrenzung des umlaufenden Hauptweges.


14 Balg, Protokoll 2001
15 Vgl. Meyer/ries, 1904,S.258.
16 Vgl. Von Schweinitz, 1999,S. 70ff.