Garten Brockmann Obernkirchen
1914
1930
1934
Daten zur Entwicklung des Gartens Brockmann

Das städtebauliche Umfeld



Der "Situationsplan der Gegend um Obernkirchen" aus dem Jahr 1812 zeigt, wie der Siedlungskern erschlossen und das angrenzende Land genutzt wurde (vgl.Abb:5). Von der Chaussee nach Bückeburg führte eine Landstraße gerade auf das Stadttor Obernkirchens zu. Diese setzte sich als Lange Straße bis zum Marktplatz und der Stiftskirche fort. Auf der Darstellung rechts ( in westlicher Richtung ) zwischen dieser Straße und der Stadtgrenze (Graben) lagen die Gebäude mit den innerhalb des Siedlungskerns liegenden Hausgärten. Jenseits der Stadtgrenze reihten sich die zu den Stadtgrundstücken gehörenden Nutzlandparzellen auf. Die auf der Karte mit einer Nummer versehenden Flächen waren die Gemüse - und Obstgärten, die längssignierten Flächen westlich davon das Ackerland.

Obernkirchen 1812


Abbildung 5 : Ausschnitt der Karte "Situationsplan der Gegend um Obernkirchen" von 1812. Farbige Handzeichnung von Markschneider Schuchardt, Gesamtbergamt Obernkirchen ( Niedersächsisches Staatsarchiv Bückeburg, S 1 B 1117 ).


Die Stadtkarte von Obernkirchen aus dem Jahr von 1778 gibt die städtebauliche Situation an der Langen Straße kleinteiliger wieder ( vgl.Abb: 6 ). Die Grundstücke an der langen Straße,die im Stadtgebiet wenig später übergeht in die Straße "Vor dem Steinbrinker Thor ", reihten sich als schmale Liegenschaften zwischen diesen Fahrwegen und dem nahezu parallel weiter westlich verlaufenden Stadtgraben aneinander. Die Wohnhäuser lagen direkt am Straßenrand. Hinter ihnen befand sich die Hoffläche mit den Nebengebäuden und dahinter erstreckte sich bis zum Graben die Hausgartenfläche.

Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist der auf dem Plan mit Nr. 61 bezeichnete Garten des Hauses Lange Straße 34 (heute Nr.27). Im Vergleich mit den benachbarten Gartenparzellen ist dieser deutlich größer. Über die innere Struktur lassen sich nur wenige Angaben machen.

Obernkirchen 1778


Abbildung 6: Ausschnitt des Lageplans "Charte von Obernkirchen" 1778 aufgenommen durch den vereidigten Landmesser F.C.D. Scheller (Niedersächsisches Staatsarchiv Bückeburg S 1 C 1064). Schwarz umrandet sind die Grundstücke Lange Straße 33 und 34.


Im Garten sind zwei Gebäude eingezeichnet von denen das längere an der Grenze stehende ein Geräteschuppen sein könnte, während für das quadratische in der Mitte liegende Gebäude ein Gartenpavillon denkbar wäre.

Das große angrenzende Gebäude an der Hofseite war eine Scheune mit Pferdestall. Diese Scheune ist auch auf dem Plan von 1905 deutlich sichtbar, während die zugehörigen Wohnhäuser in der Zwischenzeit durch Umbau stark verändert wurden (vgl. Abb:7). An der Scheune ist südlich ein weiteres Nebengebäude hinzugekommen. Es ist das noch heute bestehende Bachsteingebäude. Die 1905 eingetragenen Grenzen des Hausgartens haben sich bis heute nicht mehr verändert. Wege oder die pflanzliche Ausstattung ist nicht verzeichnet.

Am Stadtgraben verlief lange Zeit die Grenze zwischen Hessen und Schaumburg-Lippe, so dass sich die kuriose Situation ergab, dass die hier befindlichen Besitzungen von einer Landesgrenze durchschnitten wurden. "Während sich der Garten hinter dem Hause noch im Hessischen befand, lagen Gemüse - und Obstgarten sowie das Ackerland in Schaumburg.Lippe." 2

Der Stadtgraben wurde im 18. Jahrhundert zugeschüttet und das leicht abschüssige Gelände zwischen der Langen Straße und der entstandenen Straße "Hinter dem Graben" durch eine hohe Sandsteinmauer abgefangen. Durch die höhere Position hatte man von hier aus nach Westen einen weiten Ausblick in die Schaumburg-Lippische Landschaft.


Bebauungsplan 1905


Abbildung 7 : Ausschnitt der Stadtkarte "Bebauungsplan 96/1" 1905 angefertigt durch den vereidigten Landmesser Munscheid in Bielefeld (Stadt Obernkirchen FB III). Schwarz markiert sind das Grundstück Lange Str. 34 und die Fläche Flurnummer 257/31 des zugehörigen Hausgartens.


2 Brockmann,1989,S.161