Garten Brockmann Obernkirchen
1930
1934
1935
Die Familie Brockmann



Die Gärten hinter den Wohnhäusern an der Langen Straße bestehen mindestens seit dem 18. Jahrhundert. Ursprünglich hat jedoch die Gartenfläche Brockmann als Erbgarten zum Nachbarhaus Nr.33 gehört.3 Im Jahr 1803 gelangten die Besitzungen der Häuser 33 und 34 durch Ankauf in eine Hand. Eigentümer wurde Glasfabrikant Johann Conrad Storm, der sie allerdings nur zehn Jahre behielt. Durch Grundbesitzübertragungen gelangten schließlich 1819 die Anwesen mit allen Ländereien in den Besitz des Kaufmanns Heinrich Hülsemann (1743-1842), der das inzwischen in Haus 34 eingerichtete kaufmännische Geschäft übernahm.

Angaben zur Gestaltung des Hausgartens werden aus dieser Zeit nicht überliefert. Da es jenseits des Stadtgartens noch die zugehörigen Nutzgärten für Obst und Gemüse gab, ist anzunehmen, dass es sich bei dem Hausgarten mehr oder weniger um einen Ziergarten in der unmittelbaren Wohnumgebung handelte. Eine besonders repräsentative Ausstattung ist jedoch nicht anzunehmen, da den Hülsemanns dafür das Geld gefehlt haben dürfte. Auf das Haus und die Ländereien wurden nämlich in dieser Zeit Hypotheken aufgenommen4, die für den Lebensunterhalt der Familie Hülsemann und die Aufrechterhaltung des Geschäfts notwendig wurden.

1819 wurde das Haus 33 an den Arzt Ferdinand Brockmann (1793 -1833) vermietet. Bald darauf heiratete Ferdinand Brockmann die Nichte der Hülsemanns, Juliane (1802 -1867). 1831 kaufte er das Haus 33 von ihren Verwandten, aber ohne den Erbgarten, der nunmehr Haus 34 zugeschrieben wurde. Das blieb bis Ende des 20. Jahrhunderts unverändert, so dass der Garten nun mit den Besitzern von Haus 34 verbunden war. Diese Zugehörigkeit ist zunächst nicht bedeutsam, da durch die verwandtschaftlichen Beziehungen der Familien Hülsemann und Brockmann die Besitzungen (zwei Häuser und Garten) durch Erbschaft bald wieder in einer Hand sind. Ferdinand Brockmann und seine Familie bewohnte ab Mitte des 19. Jahrhunderts dann zeitweise beide Häuser. Hier liegt der Beginn einer langen Nutzungskontinuität des Gartens durch die Familie Brockmann, die durch Erbschaft bald auch die Freiflächen erhalten hatte.

Aus der Familiengeschichte geht hervor, dass die Brockmann bis Ende des 20. Jahrhunderts Besitzer des Hauses 34 blieben und in dieser Zeit ihren Hausgarten intensiv privat nutzten.

Laura Sturhahn (1828 -1890), die Braut von Ferdinand Brockmann jun. (1824 -1891) erinnert sich beispielweise in einem ihrer Briefe an das Pfingstfest 1849, welches sie im Kreis der Familie Brockmann in Obernkirchen und besonders in dem "schönen Garten" 5 verbracht hat. Dies ist die erste Erwähnung von einem "schönen Garten" am Haus 34, ohne jedoch auf nähere Einzelheiten schließen zu können.

1870 erfolgte der Umbau des Hauses 33 durch Ferdinands Bruder Theodor. 6 Der Fachwerkbau wurde abgerissen und ein stabiles Haus errichtet.

Etwa zehn Jahre später baute auch Ferdinand sein Fachwerkhaus 34 um. Die Außenfassade passte er dem Haus seines Bruders an. Theodor und Ferdinand hatten seit 1851 ein gemeinsames Geschäft im Haus 34. Durch den Firmenaustritt Theodors in den 1890er Jahren erfahren wir, dass die Brockmanns in diesen Jahren mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatz von 90.000 Mark rechneten. 7 Durch die gute wirtschaftliche Situation und die Hausbauarbeiten lässt sich vermuten, dass auch der Garten davon profitierte und eventuell investive Maßnahmen stattfanden. Denkbar wäre etwa der Bau der steinernen Gartentore, die Aufstellung der hölzernen Gartenlaube o.Ä. .

Zum Freundes - und Bekanntenkreis der Familie Brockmann gehörte die Steinhauermeister - und Steinbruchbesitzerfalilie Dulsmann. Weitere bekannte Steinmetze in der Nachbarschaft waren die Steinhauermeister Ernst (1799 -1872), der Lange Str.27 wohnte. 8 " Die Steinhauerzunft war die angesehenste und auch wohl die älteste. Den einzelnen Meistern gehörten die Steinbrüche; meist hatte ein Meister einen Bruch.[...].Die Sandsteingewinnung und die Bearbeitung bildet von jeher eine der wirtschaftlichen Grundlagen Obernkirchens ". 9 Es liegt also nahe, dass Ferdinand sen. spätestens jedoch einer seiner Söhne, Ferdinand jun. (1854 -1929) oder Hermann (1860 -1939), den Garten aufgrund dieser guten Beziehungen mit kostbaren Stücken der Steinhauerkunst, wie z.B. die Pfosten der Gartentore, aussstatten konnten.

Hermann Brockmann erhielt 1876 bis 1879 seine kaufmännische Lehre in Hannover. 10 Für seine spätere Firma war er als Reisekaufmann unterwegs. Auf seinen Touren hat er auch öffentliche Gärten besucht. So berichtete er z.B. 1884 von einem Besuch des Parks in Kassel Wilhelmshöhe, wo gerade die Wasserspiele angestellt waren. Diese hatten ihn stark beeindruckt. 11 Der Besuch zeugt von einem gewissen Garteninteresse Hermanns, welches, als er das Geschäft seines Vaters übernahm und in Obernkirchen sesshaft wurde, dazu geführt haben könnte, den eigenen Hausgarten entsprechend zu verschönern.

Die durch historische Fotos 12 und den heutigen Befund belegbare Gartengestaltung läßt keinen Zweifel darüber, dass die Kaufleute Brockmann einen standesgemäßen bürgerlichen Garten als unverzichtbaren Bestandteil ihres Privatlebens in Obernkirchen auffassten und entsprechend auszustatten wußten.

Historische Gartenpläne, Angaben zur Tätigkeit eines Gartenarchitekten oder Rechnungen für Gartenarbeiten, Pflanzenlieferungen o.Ä. sind jedoch nicht überliefert.

Der Entstehungszeitraum der bis heute überlieferten Gartensubstanz kann deshalb nur zeitlich eingegrenzt werden. Wie oben erwähnt, erhalten wir den ersten Hinweis auf einen 'schönen Garten' 1849. Die wirtschaftliche Situation der Familie Brockmann erlaubte jedoch erst 1880 einen Hausneubau. Von dieser Bauphase könnte auch der Garten profitiert haben. Erste interpretierfähige Gartenaufnahmen sind erst aus den 1930er Jahren erhalten. Es ist davon auszugehen, dass der Garten Brockmann mit seinen repräsentativen Ornament im Zentrum Ende des 19. Jahrhunderts, spätestens jedoch um 1900 angelegt wurde.


 3 Vgl. Brockmann, 1989, S. 3
 4 Vgl. Brockmann, 1989, S. 44
 5 Vgl. Brockmann, 1989, S. 114
 6 Vgl. Brockmann, 1989, S. 178
 7 Vgl. Brockmann, 1989, S. 245
 8 Vgl. Brockmann, 1989, S. 197f
 9 Vgl. Brockmann, 1989, S. 199
10 Vgl.Brockmann, 1989, S. 252
11 Vgl.Brockmann, 1989, S. 303
12 Aus der Ehe von Hermann Brockmann und Emmy, geborene Niemann, geht der Sohn Erich hervor, der mit seiner Frau Else bis Ende des 20. Jahrhunderts in diesem Haus und dem Garten lebte. Erich Brockmann ist es zu verdanken, dass so viele Details der Familiengeschichte, Urkunden und Fotos erhalten geblieben sind.