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Die
Familie Brockmann
Die
Gärten hinter den Wohnhäusern an der Langen Straße
bestehen mindestens seit dem 18. Jahrhundert. Ursprünglich
hat jedoch die Gartenfläche Brockmann als Erbgarten zum
Nachbarhaus Nr.33 gehört.3
Im Jahr 1803 gelangten die Besitzungen der Häuser 33
und 34 durch Ankauf in eine Hand. Eigentümer wurde Glasfabrikant
Johann Conrad Storm, der sie allerdings nur zehn Jahre behielt.
Durch Grundbesitzübertragungen gelangten schließlich 1819
die Anwesen mit allen Ländereien in den Besitz des Kaufmanns
Heinrich Hülsemann (1743-1842), der das inzwischen in
Haus 34 eingerichtete kaufmännische Geschäft übernahm.
Angaben zur Gestaltung des Hausgartens werden aus dieser Zeit
nicht überliefert. Da es jenseits des Stadtgartens noch
die zugehörigen Nutzgärten für Obst und Gemüse
gab, ist anzunehmen, dass es sich bei dem Hausgarten mehr
oder weniger um einen Ziergarten in der unmittelbaren Wohnumgebung
handelte. Eine besonders repräsentative Ausstattung ist
jedoch nicht anzunehmen, da den Hülsemanns dafür
das Geld gefehlt haben dürfte. Auf das Haus und die Ländereien
wurden nämlich in dieser Zeit Hypotheken aufgenommen4,
die für den Lebensunterhalt der Familie
Hülsemann und die Aufrechterhaltung des Geschäfts
notwendig wurden.
1819 wurde das Haus 33 an den Arzt Ferdinand Brockmann (1793
-1833) vermietet. Bald darauf heiratete Ferdinand Brockmann
die Nichte der Hülsemanns, Juliane (1802 -1867). 1831
kaufte er das Haus 33 von ihren Verwandten, aber ohne den
Erbgarten, der nunmehr Haus 34 zugeschrieben wurde. Das blieb
bis Ende des 20. Jahrhunderts unverändert, so dass der
Garten nun mit den Besitzern von Haus 34 verbunden war. Diese
Zugehörigkeit ist zunächst nicht bedeutsam, da durch
die verwandtschaftlichen Beziehungen der Familien Hülsemann
und Brockmann die Besitzungen (zwei Häuser und Garten)
durch Erbschaft bald wieder in einer Hand sind. Ferdinand
Brockmann und seine Familie bewohnte ab Mitte des 19. Jahrhunderts
dann zeitweise beide Häuser. Hier liegt der Beginn einer
langen Nutzungskontinuität des Gartens durch die Familie
Brockmann, die durch Erbschaft bald auch die Freiflächen
erhalten hatte.
Aus der Familiengeschichte geht hervor, dass die Brockmann
bis Ende des 20. Jahrhunderts Besitzer des Hauses 34 blieben
und in dieser Zeit ihren Hausgarten intensiv privat nutzten.
Laura Sturhahn (1828 -1890), die Braut von Ferdinand Brockmann
jun. (1824 -1891) erinnert sich beispielweise in einem ihrer
Briefe an das Pfingstfest 1849, welches sie im Kreis der Familie
Brockmann in Obernkirchen und besonders in dem "schönen
Garten" 5 verbracht hat. Dies ist die erste
Erwähnung von einem "schönen Garten" am
Haus 34, ohne jedoch auf nähere Einzelheiten schließen
zu können.
1870 erfolgte der Umbau des Hauses 33 durch Ferdinands Bruder
Theodor. 6 Der Fachwerkbau wurde abgerissen und
ein stabiles Haus errichtet.
Etwa zehn Jahre später baute auch Ferdinand sein Fachwerkhaus
34 um. Die Außenfassade passte er dem Haus seines Bruders
an. Theodor und Ferdinand hatten seit 1851 ein gemeinsames
Geschäft im Haus 34. Durch den Firmenaustritt Theodors
in den 1890er Jahren erfahren wir, dass die Brockmanns in
diesen Jahren mit einem durchschnittlichen jährlichen
Umsatz von 90.000 Mark rechneten. 7 Durch die gute
wirtschaftliche Situation und die Hausbauarbeiten lässt
sich vermuten, dass auch der Garten davon profitierte und
eventuell investive Maßnahmen stattfanden. Denkbar wäre
etwa der Bau der steinernen Gartentore, die Aufstellung der
hölzernen Gartenlaube o.Ä. .
Zum Freundes - und Bekanntenkreis der Familie Brockmann gehörte
die Steinhauermeister - und Steinbruchbesitzerfalilie Dulsmann.
Weitere bekannte Steinmetze in der Nachbarschaft waren die
Steinhauermeister Ernst (1799 -1872), der Lange Str.27 wohnte.
8 " Die Steinhauerzunft war die angesehenste und
auch wohl die älteste. Den einzelnen Meistern gehörten
die Steinbrüche; meist hatte ein Meister einen Bruch.[...].Die
Sandsteingewinnung und die Bearbeitung bildet von jeher eine
der wirtschaftlichen Grundlagen Obernkirchens ". 9
Es liegt also nahe, dass Ferdinand sen. spätestens jedoch
einer seiner Söhne, Ferdinand jun. (1854 -1929) oder
Hermann (1860 -1939), den Garten aufgrund dieser guten Beziehungen
mit kostbaren Stücken der Steinhauerkunst, wie z.B. die
Pfosten der Gartentore, aussstatten konnten.
Hermann Brockmann erhielt 1876 bis 1879 seine kaufmännische
Lehre in Hannover. 10 Für seine spätere Firma
war er als Reisekaufmann unterwegs. Auf seinen Touren hat
er auch öffentliche Gärten besucht. So berichtete
er z.B. 1884 von einem Besuch des Parks in Kassel Wilhelmshöhe,
wo gerade die Wasserspiele angestellt waren. Diese hatten
ihn stark beeindruckt. 11 Der Besuch zeugt von
einem gewissen Garteninteresse Hermanns, welches, als er das
Geschäft seines Vaters übernahm und in Obernkirchen
sesshaft wurde, dazu geführt haben könnte, den eigenen
Hausgarten entsprechend zu verschönern.
Die durch historische Fotos 12 und den heutigen
Befund belegbare Gartengestaltung läßt keinen Zweifel
darüber, dass die Kaufleute Brockmann einen standesgemäßen
bürgerlichen Garten als unverzichtbaren Bestandteil ihres
Privatlebens in Obernkirchen auffassten und entsprechend auszustatten
wußten.
Historische Gartenpläne, Angaben zur Tätigkeit eines
Gartenarchitekten oder Rechnungen für Gartenarbeiten,
Pflanzenlieferungen o.Ä. sind jedoch nicht überliefert.
Der Entstehungszeitraum der bis heute überlieferten Gartensubstanz
kann deshalb nur zeitlich eingegrenzt werden. Wie oben erwähnt,
erhalten wir den ersten Hinweis auf einen 'schönen Garten'
1849. Die wirtschaftliche Situation der Familie Brockmann
erlaubte jedoch erst 1880 einen Hausneubau. Von dieser Bauphase
könnte auch der Garten profitiert haben. Erste interpretierfähige
Gartenaufnahmen sind erst aus den 1930er Jahren erhalten.
Es ist davon auszugehen, dass der Garten Brockmann mit seinen
repräsentativen Ornament im Zentrum Ende des 19. Jahrhunderts,
spätestens jedoch um 1900 angelegt wurde.
3 Vgl. Brockmann, 1989, S. 3
4 Vgl. Brockmann, 1989, S. 44
5 Vgl. Brockmann, 1989, S. 114
6 Vgl. Brockmann, 1989, S. 178
7 Vgl. Brockmann, 1989, S. 245
8 Vgl. Brockmann, 1989, S. 197f
9 Vgl. Brockmann, 1989, S. 199
10 Vgl.Brockmann, 1989, S. 252
11 Vgl.Brockmann, 1989, S. 303
12 Aus der Ehe von Hermann Brockmann und Emmy, geborene
Niemann, geht der Sohn Erich hervor, der mit seiner Frau Else bis
Ende des 20. Jahrhunderts in diesem Haus und dem Garten lebte. Erich
Brockmann ist es zu verdanken, dass so viele Details der Familiengeschichte,
Urkunden und Fotos erhalten geblieben sind. |
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