Garten Brockmann Obernkirchen
1982
1935
1982
Empfehlungen zur Erhaltung und Wiederherstellung

Maßnahmen an der Vegetation


Bäume

Wie bereits aus der Bestandsbewertung hervorgeht, gibt es gerüstbildende Bäume, die einen hohen gestalterischen Wert besitzen. Diese sind bei Abgang unbedingt zur Erhaltung der Farb- und Raumwirkung durch gleiche Arten an gleicher Stelle nachzupflanzen.

Die Einzelgehölze (Bäume Nr. 1, 3, 4, 7, 8, 11, 13, 17, 18 der Liste) sind zu erhalten, sie bedrängender Wildwuchs oder überdimensionierte Sträucher sollten entfernt oder zurückgeschnitten werden. Der Efeubewuchs am Stamm bzw. abgestorbene Äste sollten ebenfalls beseitigt werden.

Die Reste der durch Windwurf in jüngster Vergangenheit verlorenen Blutbuche sind zu beseitigen, der Stubben ggf. auszufräsen. Die Blutbuche (Fagus sylvatica Atropunicea) sollte als Ballenware (Hochstamm, 4xv. 18 - 20) an gleicher Stelle nachgepflanzt werden.


Garten Brockmann2001


Abbildung 31:Die Situation vor der Wegfreilegung längs der großen Maueren zeigt einen Verwilderungszustand, in dem die ursprünglichen pflanzlichen Strukturen und flachen Rasenflächen kaum noch zu erkennen sind (Foto:H.Schwarz,2001).


Sträucher

Strauchbestände können störend, aber auch wichtige Bestandteile von Pflanzungen sein, wenn sie nämlich raumbildend wirken bzw. Durchsichten verhindern.So ist im Einzelfall zu entscheiden, ob die Gehölze an dieser Stelle von Bedeutung und gestalterischer Absicht sind, oder ob sie sich willkürlich ausgebreitet haben. Sträucher,die den Weg bedrängen sind generell zurückzunehmen.

Die dichten Strauchpflanzungen an der südlichen und östlichen Gartengrenze sind verjüngend auszudünnen. Dabei sollten auch die Ahornsämlinge entfernt werden, vor allem die, die in der Kalktuff-Setzung an der großen Laube wurzeln. Letztere sind nur oberflächennah abzusägen, da sonst die Formation des Steingarten zu sehr gestört wird. Alle anderen sollten, da sie meist vital wieder austreiben, wenn möglich samt oberflächennahem Wurzelsystem entfernt werden.

Größere Holunderbestände um den Holzpavillon sind stark zurückzunehmen.

Die regellos verteilten Ziersträucher auf den ehemaligen Rasenflächen sollten ersatzlos entfernt werden, oder wenn eine Umpflanzung erfolgsversprechend ist, können die Pflanzen auch in einer anderen öffentlichen Grünanlage wieder eingebracht werden.

Die Laubziersträucher in der Gartenmitte sollten auf ein verträgliches Maß in ihrem Umfang reduziert werden. Nadelbäume wie Nr. 12, 14, 19, 21 und weitere in der Buchsformation stehende Nadelgehölze sowie die Korkenzieherweide sollten ebenfalls ersatzlos entfernt werden. Sie sind erst in jüngerer Zeit hinzugefügt worden und werden andernfalls im Verlauf der Zeit die Dimensionen des Buchsornaments sprengen.


Garten Brockmann 2001


Abbildung 32: Gleicher Standpunkt (wie Abb.31), Blick diagonal auf den Pavillon gerichtet, der links neben der Schwarzkiefer zu denken ist .Erste vorsichtige Freilegungsarbeiten sollten so viel als möglich von der ursprünglichen geometrischen Figur unter Berücksichtigung der Rosen, Rhododendren und der Buchshecken herausarbeiten. Ausgepflanzte "Weihnachtsbäume" sollten entfernt, alle Gehölzsämlinge und der hohe Grasaufwuchs beseitigt werden (Foto: H.Schwarz,2001).


Stauden, Rosen, Buchshecken

Die Staudenrabatten an der Westmauer und auf den Innenbeeten des Ornaments sollten wieder in Pflege genommen und neu bestückt werden. Stauden müssen von Zeit zu Zeit geteilt werden, um die Pflanzungen zu vitalisieren.

Zunächst sollte der Versuch unternommen werden, durch Unkrautentfernung die eigentlichen Staudenpflanzen zu selektieren und die Bestandlücken festzustellen. Wenn es danach für einen adäquaten Pflegeumfang unumgänglich erscheinen sollte, die Rabatte komplett herauszunehmen, so ist wenigstens darauf zu achten, dass brauchbare Einzelpflanzen wiederverwendet werden können.Sind die Sorten nicht mehr im Handel erhältlich, sollte die so gesammelte Pflanzenware in einem Beetbereich zusammengefasst werden.

Dabei ist auf die den historischen Aufnahmen zu entnehmenden Höhenentwicklung zu achten: wegbegleitend eine niedrige Polsterstaude, weißblühend, dahinter hohe Frühsommerstauden wie die Schwertlilie,Taglilien, Akelei, Astern vermutlich auch Pfingstrosen.

Die Beetrosen an der Buchshecke sind zunächst nur auf 3 bis 4 Augen zurückzuschneiden. Bei vitalem Austrieb sollten sie das Grundgerüst der umlaufenden Rosenbeete bilden, die dann in entsprechender Blütenfarbe 23 ergänzt werden sollten.

Die ehemals in mehreren Linien ausgepflanzten Buchshecken waren sehr niedrig (vgl.Abb.:16), höchsten jedoch auf 25 cm geschnitten.Heute ist nur noch eine Buchshecke vorhanden, die bereits eine Höhe von 50 cm erreicht hat und entsprechend breit gewachsen ist .Die vorhandene Buchslinie sollte schrittweise über mehrere Jahre wieder auf eine Höhe von 25 cm gebracht werden. Die dabei anfallenden Stecklinge sollten zur Ergänzung der Hecke, besonders im östlichen Halbkreis, vermehrt und dort eingepflanzt werden .Für den Erhalt des Elements ist es nicht zwingend erforderlich, alle Buchslinien wiederherzustellen. Die Spuren der Vergangenheit, z.B .die Vereinfachung des Ornaments, tragen zur Authentizität des überlieferten Gartenbildes bei.


23 Die Rosenblüte war zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme bereits vorbei, so dass hier keine Aussagen dazu getroffen werden können.